Otto Normalverbraucher und die Netzneutralität

Netzneutralität

Das ist ja immer so ein Problem mit diesem seltsamen weltweiten Netz: Ich kenne inzwischen wirklich niemanden mehr, der diese ganzen Angebote und Dienste nicht nutzen würde. Ich erinnere mich immer noch mit einem Tränchen der Rührung im Augenwinkel an die Begeisterung meines (damals bereits 60-jährigen) Vaters, als ich ihm vor ca. 13 Jahren das erste Mal zeigte, was man mit E-Mail und Google und so alles anstellen kann. Und an seinen täglichem Ausruf im Büro: „Wie haben wir das früher eigentlich ohne dieses Internet hinbekommen“.

Wenn ich meinem Vater das mit der Netzneutralität dann erklärt hätte, wäre er auch recht schnell von seiner Wichtigkeit überzeugt gewesen und hätte wohl auch alle Online-Petitionen unterzeichnet, derer er nur habhaft werden konnte. Wenn ich diese Sache allerdings so in der Familie und im Freundes- und Bekanntenkreis anspreche, ernte ich eher große Fragezeichen. Selbst das Frauchen rollt da mittlerweile mit den Augen….

Und wenn ich jetzt in gemütlichen Gesprächsrunden mit der #Drosselkomm Telekom und Ihrer faktischen Aufkündigung der Netzneutralität anfange, wird auch abgewunken. Fakt ist also: Viele engagierte Menschen kümmern sich seit Jahren um dieses wirklich wichtige Thema und trotzdem ist das alles bei Otto Normalverbraucher bisher nicht angekommen. Der regt sich dann demnächst auf, dass das Surfen auf einmal teurer wird, aber welche Konsequenzen die Pläne der Telekom auf das Netz haben werden, ist ihm anscheinend nicht bewusst. Immerhin habe ich heute morgen im öffentlich-rechtlichen Frühstücksfernsehen erleben dürfen, dass das Thema jetzt „schon“ langsam in den „öffentlichkeitsstarken“ Medien ankommt aber im Endeffekt ging es da auch nur darum, dass Surfen dann teurer wird und nicht, dass die Telekom hier etwas aufkündigt, was den Grundkonsens und das Wesen dieses Internets ausmacht.

Worum geht es genau?

Nun ganz einfach: Die Telekom wird in Zukunft eine Drosselung Ihrer DSL-Tarife einführen, die (wie im Mobilfunk) nach einem gewissen Verbrauch eines Datenvolumens einsetzt. Will man den Rest des Monats nicht im Schneckentempo durchs Netz kriechen, muss man halt noch einmal in’s Portemonnaie greifen und draufzahlen. Das ist zwar ärgerlich, aber erst einmal nicht grundsätzlich schlecht – die Telekom ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen und darf ihre Preise machen, wie sie denkt. Man kann ja gerne zu einem anderen Provider wechseln. Wobei das auch nicht so einfach ist. In vielen Regionen hat die Telekom noch eine Monopolstellung,  ich kann ein Liedchen davon singen. Immerhin stand mir jahrelang nur ein DSL-2000-Tarif zur Verfügung, obwohl ich für 6.000 bezahlt habe. So ist das halt, wenn man zum hochgelobten Mittelstand gehört und sein Büro in einem Außenbezirk hat, der kein Gewerbegebiet ist. Glücklicherweise hat sich dann ein süddeutscher Provider erbarmt und mit unseren Stadtwerken ein dickes Glasfaserkabel verlegt. Somit habe ich jetzt ein richtig schnelles Netz und die #Drosselkomm kann mich mal im Mondschein besuchen. Aber darauf will ich jetzt eigentlich gar nicht heraus.

Telekom verletzt Gleichheit der Daten

Es geht darum, dass die Telekom gewisse (eigene) Dienste dann aus dem Datenvolumenverbrauch herausnimmt („Entertain“). Die Daten die man  über diesen Dienst lädt, werden bei der Berechnung des Volumens nicht heran gezogen. Die Telekom-Daten sind somit gleicher als alle anderen. Und das ist der eigentliche Punkt um den es geht! Denn das ist die Verletzung der Netzneutralität! Und wie das so ist, wenn einer anfängt, werden die anderen sicher bald folgen. Und das wird langfristig Konsequenzen haben:

  • Bestimmte Angebote werden besser/schneller zu nutzen sein als andere
  • Eigene Dienste der Zugangsprovider bekommen einen Marktvorteil, was zu Wettbewerbsverzerrungen führt
  • Diensteanbieter werden von den Providern zur Kasse gebeten, wenn Sie Ihre Daten gleichberechtigt übertragen haben wollen (also auch aus den Berechnungsvolumen herausgenommen werden möchten) und wenn Sie das nicht finanzieren können, haben Sie halt Pech gehabt.
  • Die Möglichkeit Einfluss auf unseren Datenverkehr nehmen zu können/dürfen, öffnet der Möglichkeit für eine Zensur unserer Inhalte Tor und Tür1
  • Wir bekommen ein „Zwei-Klassen-Internet“

Letztendlich ist die Verletzung der Netzneutraliät eine Verletzung all dessen, was dieses Internet auszeichnet und groß, bedeutend und wichtig gemacht hat! Und aus diesem Grund gehört Netzneutralität gesetzlich fest geschrieben!

Wer sich gerne ausführlich zur Thematik informieren will:

Netzneutralität in die Öffentlichkeit

Nun machen sich viele, viele kluge Leute Gedanken darüber, wie man die Bedeutung des Themas auch Otto Normalverbraucher verdeutlichen kann, immerhin beschäftigen sich viele „Netzaktivisten“ und „Netzpolitiker“ schon länger mit der Thematik, aber bisher findet die Netzneutralität kaum Widerhall in der Öffentlichkeit. Damit sich das ändert, hat Mathias Richel in Absprache mit der Digitalen Gesellschaft und D64 ein paar Motive entwickelt, die das Problem anhand des Alltags der Menschen beschreiben, auch wenn sie selbst nur “Mail, Spiegel Online und Reise buchen”-Nutzer sind. Und die finde ich auch richtig gut! Ob es aber was bringt? Schau’n mer mal, mein Optimismus hält sich in Grenzen….

Telekom Kampagne Europa_final

Telekom Kampagne YouTube_final

Telekom Kampagne Sydney_final

Telekom Kampagne Innovation_final

Telekom Kampagne Fussball_final

Telekom Kampagne Bildung_final

 

Warum ich das hier blogge? Weil Netzneutralität wichtig ist! Wirklich wichtig!
Und weil ich wütend auf die Telekom bin! Richtig wütend!

 
  1. Da sehe ich doch bestimmte Politiker und Lobbys schon förmlich sabbern… []
 

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