“Kontinuitätsbruch” oder der Versuch eines Nachrufes

Dieter Hildebrandt, 23. Mai 1927 – 20. November 2013

Es gibt Künstler von denen meint man, dass Sie ewig leben werden bzw. ewig leben müssen. Dieter Hildebrandt war für mich so ein Künstler und er ist heute Morgen im Alter von 86 Jahren verstorben.

Ich will mich an dieser Stelle nicht über seinen Werdegang und die vielen Höhepunkte in seinem kabarettistischen Schaffen auslassen, das werden qualifiziertere Schreiber in den nächsten Tagen ausgiebigst erledigen. Ich möchte an dieser Stelle nur kurz das folgende sagen:

Ich bin in einem typischen linksliberalen Haushalt aufgewachsen, deswegen wurde ich bereits in meiner Jugend mit Dieter Hildebrandts scharfzüngigem Witz konfrontiert. Seine “Notizen aus der Provinz” waren in unserer Familie TV-Pflichtprogramm. Diese erste regelmäßige Satire-Sendung im deutschen Fernsehen war die einzige Fernsehsendung, für die meine Eltern in den 70ern den abendlichen Zapfenstreich während der Schulzeit nach hinten verschoben. Seitdem hat Dieter Hildebrandt bis heute meine Einstellung zum politischen und gesellschaftlichen Leben in dieser unserer Republik maßgeblich bereichert und sogar geprägt.

Dieter Hildebrandt hat mich als Kabarettist, Schauspieler und Buchautor fast mein ganzes Leben lang begleitet. Er war für mich deshalb bis zum heutigen Tag eine Konstante. Die Konstante ist jetzt nicht mehr vorhanden und dieses Ereignis empfinde ich als einen weiteren Bruch der Kontinuität meines Lebens. Es gab bisher nicht viele Menschen, deren Tod mir derart intensiv das Gefühl eines Kontinuitätsbruchs vermittelt hat, aber Dieter Hildebrandt gehört definitiv dazu. Deshalb bin ich heute sehr traurig!

 

 

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