Wie die Woche so war: 04/2017

Wie die Woche so war: 04/2017

Jetzt ist er schon bald rum, der erste Monat dieses noch jungen Jahres. Und ich stelle wieder fest, dass es stimmt: Je älter du wirst, um so schneller gehen sie vorbei, die wenigen Jahre, welche dir noch verbleiben. Ohne jetzt in einen #alterSack-Jamermodus verfallen zu wollen, muss ich das leider doch immer öfter konstatieren: Was man in der unbeschwerten Jugend großzügig an Zeit verschwendet, scheint irgendwann doppelt und dreifach zu fehlen…. WEITERLESEN »

Zuckerchallenge

Nein, nein, keine Angst. Nicht schon wieder eine Ankündigung irgendeiner Askese meinerseits.

TagebuchVielmehr ein Erfahrungsbericht. Eine persönliche Notiz. Immerhin ist das mein kleines Tagebuch hier. Und ich beschreibe mein kleines virtuelles Moleskine viel weniger als ursprünglich geplant. Dabei ist Tagebuchbloggen doch gerade ein bisschen angesagt. Also jetzt einmal wieder etwas Persönliches und es geht um:

Zuckerwürfel, Rohrzucker

Der Zucker in meinem Kaffee

Ich trinke seit Beginn meiner Pubertät leidenschaftlich Kaffee. Begonnen habe ich mit dem Automatenkaffee meines Gymnasiums. Ihr wisst vielleicht noch: Diese dünne, fiese, hellbraune Coffeinplörre im braunen Plasikbecher aus dem Automaten. Der Automat stand praktischerweise direkt neben dem Raucheratrium, so dass sich bei mir Kaffee und Zigaretten bereits seit frühester Jugend zum gemeinsamen Symbol genussvoller Glückseligkeit miteinander verbunden haben. Und ja, das ist nicht gelogen, wir durften in der Schule ab dem Alter von sechzehn Lenzen rauchen.

Übrigens: Jedes Mal, wenn so ein Automat braunes Wasser ausgibt, stirbt in Südamerika ein kleiner Kaffeebauer. Aber das wussten wir damals nicht. Wir waren ja jung. Und hatten kaum Geld . Und keine Ahnung!

Den weiteren Verlauf meiner Laufbahn als Kaffeetrinker kann man geradezu klassisch nennen: Kaffeemaschinenkaffee, meist mit Eduscho-1 oder Tchibobohnen befüllt. Dann kamen die ersten italienischen Coffeinspezialitäten (Echt jetzt? Cappuccino wird mit Milch gemacht und nicht mit Sahne?), dann der Vollautomatenkaffee im Büro. Und dann der erste Starbucks (ein Lattenkaffee in Venti mit Macadamiaaroma to go bitte! Ich zahle mit Starbuckscard. Natürlich mit der Goldcard!“). Und seit einigen Jahren jetzt auch die sündhaft teure, fair gehandelte Edelbohne von der kleinen Rösterei im Netz oder in der Stadt. Alles immer in größeren Mengen konsumiert. Ach was sag ich: LITERWEISE habe ich Kaffee bisher in mich hineingeschüttet!

Süß wie die Liebe!

Kaffeebecher mit Zeichnung "Gans süß"Was sich im Laufe der Jahre auch immer geändert hatte, eine Sache blieb immer gleich: Zucker! Ich bevorzugte Kaffee bis dato immer „heiß wie die Hölle, schwarz wie die Nacht und süß wie die Liebe“. Das ist seit meinen Anfängen als bekennender Coffeinsüchtiger fast unverändert geblieben! Ich habe früher immer mindestens vier gehäufte Kaffeelöffel Zucker in einen Pott Kaffee benötigt. Arbeitskollegen frotzelten früher, ich solle doch besser Zuckerpakete mit Kaffee anfeuchten, als immer stundenlang den Zucker löffelweise in die Kaffeetasse zu schaufeln….

Dann kam die beste Lebensgefährtin von allen – von mir auch gerne „Das Frauchen“ genannt – und nahm mich unter ihre Gesundheitsfittiche. Das Frauchen ist nämlich Krankenschwester. Und wenn man mit einer Krankenschwester zusammen lebt, ist der liebevolle Druck zu gesünderer Lebensweise etwas, dem man schlecht widerstehen kann. Vor allem, wenn der bittende Blick der Geliebten um Klassen mitleidserregender ist, als der Bettelblick eines hungrigen Welpen! Ich habe also den Zuckeranteil von mindestens vier gehäuften Kaffeelöffeln auf mindestens zwei gehäufte Kaffeelöffel pro Kaffeepott reduziert. Das Frauchen war erst einmal zufrieden und ich war stolz auf mich!

Dann kam die WHO!

Das war bis vor kurzem mein Status Quo beim Zuckerkonsum. Und dann musste ich über die Information stolpern, dass die WHO sechs Teelöffel Zucker als Tagesmaximum empfiehlt (ca. 25 Gramm). Echt jetzt! ist das euer Ernst? Das habe ich doch schon intus, bevor ich mich morgens an den Schreibtisch setze…. Und als dann eine kontinuierliche Aufzeichnung im letzten Jahr auch noch ergeben hat, dass ich täglich im Schnitt über 100gr. Zucker zu mir nehme, hatte ich kurzerhand beschlossen, die Fastenzeit 2016 zu nutzen, um eine Zeitlang ohne jeden Zucker auszukommen.

Das ist mir auch gut gelungen. Nur ist mein Plan leider nicht so richtig aufgegangen. Beabsichtigt war nämlich, dass ich mir während der sechs Wochen den Zucker im Kaffee abgewöhne. Hat beim Nikotin ja auch schon geklappt. Sollte beim Zucker dann doch ebenfalls funktionieren. Aber nein, auf Zucker in Kaffee und Tee zu verzichten, fiel mir fast schwerer als mit dem Rauchen aufzuhören. Und als ich am Ostersonntag mit großer Erleichterung endlich wieder Zucker in den Kaffeepott schaufeln konnte, passiert beim ersten Nippen am Becher leider folgendes:

Pfui! Bäh! Schmeckt ja gar nicht!

Die über sechs Wochen Zuckerentzug haben nämlich doch Wirkung gezeigt.
Ergebnis: Ich mag jetzt auch keinen Kaffee mit Zucker mehr.
Problem: Kaffee ohne Zucker will mir auch nicht richtig schmecken.
➜ Status über einige Wochen hinweg: Pure Verzweiflung!

Qualität des Kaffee ist mit das Problem!

Ungefähr drei Wochen nach Ostern, mit nur noch drei bis vier Tassen zuckerlosen Kaffee täglich, startete ich ein weiteres Experiment. Ich bestellte mal wieder bei einem meiner Lieblingskaffeehändler im Netz hochwertige, aber leider auch sündhaft teure Kaffeebohnen. Und bei der ersten Tasse fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren: Nicht der Zucker ist schuld an meinem Dilemma, sondern der Kaffee. Meine geliebter „Kolumbien El Zapote“ von der Hacienda El Encanto (Kolumbien) schmeckte nämlich auch ohne Zucker richtig lecker. Ich habe die nächsten 250gr. Kaffee lang den Zucker überhaupt nicht mehr vermisst.

Klasse statt Masse

Somit habe ich jetzt nur noch ein Luxusproblem: Kaffee, den ich mir aus Supermark-Kaffeebohnen aufbrühe, schmeckt mit Zucker nicht (mehr) aber ohne Zucker auch (noch) nicht so richtig. Zwar immerhin noch soweit, dass ich drei bis vier Tassen Kaffee am Tag trinken kann, aber ich will eigentlich wieder meine normale Coffeindosis (5-10 Pötte täglich!).

kaffeetasseRichtig schön lecker ist zuckerloser Kaffee jetzt aber nur noch dann, wenn er aus liebevoll gezüchteten und gepflückten, sowie hochwertig und sorgfältig gerösteten Kaffeebohnen zubereitet wurde (Bohnen natürlich immer frisch gemahlen und handgefiltert oder mit der Mokka Press zubereitet!). Jetzt ist solcherart gelieferter Kaffee leider nicht ganz so günstig, was ich auch nachvollziehen kann. Für mich galt schon immer, dass Qualität auch ihren Preis haben muss. Bei einem Pfundpreis von ca. 16 Euro schüttet man den Kaffee aber nun einmal nicht tassenweise in sich hinein, sondern man genießt ihn in Maßen.

Na toll! Jetzt heißt es beim Kaffee in Zukunft also: Lieber Klasse statt Mass. Und das ab jetzt immer ohne Zucker!

3 Kaffeebohnen

Aber zum Glück hat bei uns in der kleinen Großstadt vor kurzem eine neue Kaffeerösterei aufgemacht, die einige vielversprechende Kaffeesorten im Sortiment hat, mit denen ich mich auseinander setzen kann. Und dann gibt es noch meine andere Lieblingsanlaufstelle für Kaffee, den Herrn Amir (leider nur Facebook). Darf ich in den nächsten Wochen also viel neuen Kaffee ausprobieren! Es hätte mich schlechter treffen können! :o)

Kleine Anmerkung zum Schluss: Warum schreibe ich das jetzt ins Internet? Als Warnung, denn wenn ihr auch einmal auf so eine blöde Idee wie meine Zuckerchallenge in der Fastenzeit kommt, dann überlegt euch das lieber drei Mal – das kann nämlich in’s Geld gehen…. ;o)

Post Scriptum: Beim Tee ist das leider so ganz anders gelaufen. Der schmeckt mir ohne Zucker überhaupt nicht und mit Zucker inzwischen wieder richtig lecker. Allerdings hat die Zuckerchallenge beim Tee dazu geführt, dass mir bei meinem geliebten Earl Grey der braune Rohrzucker nicht mehr munden will. Da muss jetzt weißer Industriezucker in die Tasse. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

 
  1. Eduscho wurde irgendwann von Tchibo gekauft und Tchibo mutierte dann zum Gemischtwarenhändler []
 

Welt ohne Kaffee?

Ist vielleicht schon bald Schluss mit 150 Litern Kaffee pro Jahr?
Unsere Lieblingsbohne könnte schon bald ein rares Luxusgut sein!

Kaffee_03

Was den drohenden Klimawandel angeht, bin ich mittlerweile zu einer ziemlich fatalistischen Einstellung gelangt. Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel nicht mehr groß zu bremsen ist1 und diese Menschheit in den nächsten 100 Jahren diesbezüglich wohl ihr blaues Wunder erleben wird.

Die westlichen Wohlstandsnationen halten nur noch Alibi-Klimagipfel ab, auf denen sich die Teilnehmer nicht einmal mehr den Anschein von Mühe geben. Die Umwelt-NGOs wissen sich inzwischen aus lauter Verzweiflung nicht mehr anders zu helfen, als diese „Veranstaltungen“ demonstrativ aus Protest zu verlassen. Dass Entwicklungs- und Schwellenländer erst einmal von uns Verzicht fordern, bevor sie Ihren Beitrag leisten, ist zwar auch nicht hilfreich aber immerhin verständlich. Außerdem werden die „armen Länder“ dieser Welt wieder mal die Konsequenzen dafür tragen, dass wir nicht mal beim Klimaschutz zu einer Änderung unseres ressourcenfressenden Verhaltens bereit sind. In den Industrienationen ist das Wirtschaftswachstum zum Fetisch geworden, Lobbyisten diktieren anscheinend sogar der Kanzlerin Ihrer Wünsche in die Agenda. Da kann man doch nur noch resignieren!

Vielleicht setzt jetzt aber die Wende ein?

Kein-Kaffee-mehrDer Klimawandel bedroht unser tägliches Lebenselixir! Im aktuellen Bericht des Weltklimarates der UN (IPCC) wird nämlich auch dem Kaffee eine sehr düstere Zukunft vorher gesagt. Die Kaffeebohne ist ein äußerst sensibles Gewächs und ein durchschnittlicher Temperaturanstieg von 2 Grad – was unter Experten für die nächsten 100 Jahre als sicher gilt – würde das Gedeihen der Kaffeesträucher in den meisten Anbaugebieten massiv gefährden. Und unsere Lieblingssorte „Arabica“  ist anscheinend besonders gefährdet, denn bis 2080 würden dann voraussichtlich alle geeigneten Anbaugebiete verschwunden sein.

Ich jedenfalls hätte heute morgen, als ich das in meinem Feedreader lesen musste, fast meinen morgendlichen Bürokaffee verschüttet. Mein erster Gedanke war schon fast Erleichterung darüber, dass ich das voraussichtlich nicht mehr erlebe – ich jedenfalls bin mir nicht sicher, ob ich in einer Welt ohne Kaffee leben möchte. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass das nicht nur mir so geht.

Vielleicht ist das jetzt die Meldung, die wir brauchen um eine Wende im Verhalten auszulösen?

Vielleicht bringt die drohende Gefahr für den Morgenkaffee die Bürger endlich dazu, von ihren Politikern ein ernsthaftes Engagement gegen die Erwärmung des Klimas zu fordern?
Vielleicht werden Qualitätsjournalisten lieber ein zweites Mal an der Kaffeetasse nippen und dabei überlegen, ob man Klimaskeptiker wirklich ernsthaft als „seriöse Wissenschaftler“ bezeichnen kann?
Vielleicht verzichten wir jetzt ab und an mal auf deneinen oder anderen Burger? Das hilft dem Klima und damit dem Kaffe nämlich auch!
Vielleicht wird unser aktueller Minister für Umwelt und Energie noch einmal darüber nachdenken, ob Kohle wirklich noch so toll ist?
Und vielleicht werden die Vorstände der Autokonzerne beim Morgenkaffee ernsthaft darüber nachdenken, ob ihre Produktpolitik wirklich in die richtige Richtung geht?

Na gut, aber man wird ja wohl noch träumen dürfen….

Immerhin war die Lieblingsnichte mit mir am Osterwochenende das erste Mal in einem Starbucks und hat dann auch gleich spontan mit dem Frauchen und mir einen Starbucks-Fanclub gegründet. Da wäre es schon eine tröstliche Hoffnung, dass Kaffee auch für sie genauso selbstverständlich zugänglich bleibt, wie für uns….

 
  1. Von „Aufhalten“ wollen wir realistischerweise lieber  überhaupt nicht mehr reden []
 

Oh Kaffee …

… du anregendes, wohlschmeckendes, wahrhaft edles Geschenk der Götter!

Diese wahrhaft schöne Ode an mein Lieblingsgetränk stammt von der niederländischen Bewegtbildproduktion Colorbleed und der Hammer dabei ist: Das gesamte Video ist animiert! Von vorne bis hinten! Toll!

(gefunden bei esib)

 

Filterkaffee! Ein leidenschaftliches Plädoyer!

kaffee_01


„One more cup of coffee for the road
One more cup of coffee ‚fore I go.
To the valley below.“
(Bob Dylan, One More Cup Of Coffee)

Ich bin bekennender Liebhaber des braunen Goldes. Das bin ich bekanntermaßen so sehr, dass man mich, wenn ich mit Familie oder Freuden unterwegs bin, spätestens nach zwei Stunden besorgt fragt: „Sollen wir schnell einen Kaffee trinken gehen oder hältst du noch durch?“ Alleine während der Entstehung dieses Beitrages habe ich zwei Becher Americano1 genossen. Update: Beim Korrekturlesen kam jetzt noch ein Becher Filterkaffee dazu.

Aus diesem Grund bin ich natürlich auch auch Liebhaber der italienischen und österreichischen Kaffeekultur. Trotzdem ist meine präferierte Zubereitungsart der braunen Bohnen der ganz ordinäre deutsche Filterkaffee! Nichts bereitet mir soviel Wohlbehagen, wie ein Becher Kaffee, welcher durch einen Papierfilter geflossen ist – nach Möglichkeit bitte sorgfältig zubereitet und natürlich mit der Hand gefiltert. Diese Leidenschaft stößt in meiner Espresso, Cappuccino oder Latte Macchiato trinkenden Umgebung auf reichlich Unverständnis. Ich habe zwar auch meine Cappuccino & Co. Phasen, aber ich kehre immer wieder reumütig zum Filterkaffee zurück. In meinem Büro steht ein hochwertiger Espresso-Vollautomat, der sich viel zu oft über mangelnde Zuwendung beklagt, während neben ihm die Kaffeemaschine Höchstleistungen abliefern muss2.

Kaffee_03

Woher kommt jetzt diese Liebe zum Filterkaffee? Viereinhalb einfache Gründe:

Grund Nr. 1: Filterkaffee schmeckt einfach lecker! Natürlich nur, wenn er sorgfältig und mit hochwertigen Kaffee zubereitet wurde. Ein gefilterter Kaffee hat ein ganz anderes Aroma und einen „sanfteren“ Geschmack als die Spezialitäten italienischer Zubereitungsart. Und dann sollte man das Kaffeepulver auch bitte nicht im Supermarkt oder diesen Kaffeekonzernen käuflich erwerben. Dafür sucht man sich nach Möglichkeit spezialisierte Fachhändler (da gibts inzwischen auch ein paar tolle Versender im Netz!), die eine Ahnung von wirklich guten Kaffee haben oder sogar noch selber rösten (ist ja zur Zeit glücklicherweise mal wieder schwer in Mode) und lässt sich dort beraten, welche Bohne einen besonders guten Filterkaffee hervorruft.

Grund Nr. 2a: Ich schlürfe Kaffee gerne genüsslich aus großen Bechern! Ich bin zwar inzwischen reichlich coffeinresistent, aber wenn ich meine tägliche Bechermenge in Form von Espressi trinken würde, hätte ich abends bestimmt einen Schlaganfall! Und jetzt komme mir bitte niemand damit, dass man mit diesen Vollautomaten ja auch einen Becher Kaffee zubereiten könne. Dieser — meist hochtrabend Café Creme geschimpfte — Kaffee ist nichts weiter als ein Espresso, der mit viel zuviel Wasser verdünnt wurde und genauso schmeckt! Das ist keine Alternative!

Grund Nr. 2b: Ich mag meinen Kaffee heiß wie die Hölle, süß wie die Liebe und schwarz wie die Nacht. Somit fallen sämtliche Kaffeespezialitäten, die mit Milch zubereitet werden, etwas aus dem Raster. Natürlich bin ich auch für einen Espresso Macchiato3, einen Cappuccino oder eine Latte Macchiato zu haben, aber meine wahre Leidenschaft gilt dem schwarzen Kaffee. Ein zum Kaffee aufgeblasener Espresso? Siehe Punkt 2a (es sei denn, es ist ein Americano)

Grund Nr. 3: Nostalgie! Ich bin mit Filterkaffee aufgewachsen. Meine Kaffeeprägung fand in einer Zeit statt, in welcher Cappuccino noch ein exotisches Urlaubsgetränk war und man eine Latte Macchiato für eine abartige Sexualpraktik gehalten hat. Wenn man damals mal einen Cappuccino auf der Karte eines Cafés entdeckte, dann konnte man fast 100%-ig sicher sein, einen starken Kaffee (nicht mal einen Espresso!) mit Sahnehäubchen zu bekommen. Dezente Hinweise, das sei ja wohl kein Cappuccino, sondern höchstens das was der Österreicher einen großen Braunen mit Schlagobers nennt, führten fast immer nur zu gereizten Diskussionen oder dem sofortigen Liebesentzug durch die Bedienung. Aus diesem Grund hat Filterkaffee für mich ein recht intensives Erinnerungspotential. Beispielsweise hat mich ein Schulkamerad intensiver mit der Musik von Bob Dylan bekannt gemacht. Immer leicht schlapp drauf wegen eines extrem niedrigen Blutdrucks, trank dieser Freund täglich immense Mengen Kaffee. Wir haben uns damals also das Coffein kannenweise zugeführt, während wir jede Textzeile von „Blood on the Tracks“ analysierten und diskutierten. Ich bekomme bei diesem Album auch heute noch sofort das Bedürfnis, eine Kanne Kaffee aufzusetzen. Aus dieser Zeit stammt übrigens auch meine heftige Abneigung gegen Jasmintee, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Grund Nr. 4: Die Deutschen können’s einfach nicht. Wirklich nicht! Die Wahrscheinlichkeit in einem deutschen Café einen genießbaren Cappuccino zu bekommen, ist bedauerlicherweise kaum vorhanden. Liebe Betreiber deutscher Kaffeeschänken: Ein Cappuccino ist kein Milchkaffee! Er besteht, wenn er richtig gemacht wird, aus 1/3 Espresso, 1/3 Milch und 1/3 Milchschaum. Aber was serviert ihr einem? Einen Espresso mit so viel Milch und Schaum, dass man den Kaffee darin nur erahnen kann! Ein guter Cappuccino schmeckt trotz Milch immer noch intensiv nach Espresso! Verstanden? Und wenn wir schon dabei sind: Könnt ihr mir bitte mal erklären, was ein „großer Cappuccino“ eigentlich sein soll? Ein „großer Cappuccino“ ist ein Milchkaffe oder bei nicht ganz so kritischer Betrachtung vielleicht gerade noch eine Latte Macchiato! Verstanden? In meiner geliebten Heimatstadt gibt es jedenfalls genau zwei Lokalitäten (mit Wohlwollen sind es auch drei), in welchen man italienische Kaffeespezialitäten so kredenzt bekommt, wie sie eigentlich gedacht sind. Da bleib ich dann wirklich lieber beim Filterkaffee oder gehe zu Starbucks!

Und deswegen bin ich ein Fan von „ordinärem“ Filterkaffee. Ganz einfach!

Kaffee_02

 

Update 12.03.2014: Wie ich in diesem Internet gerade lesen durfte, hat Filterkaffee außerdem noch von allen Zubereitungsvarianten die beste Ökobilanz. Wobei einem das nach ca. 15 Sekunden Nachdenken soundso klar sein müsste. Aber so vom Forschungsinstitut bestätigt, hat es halt noch mehr Gewicht….

 
  1. Ein Americano ist ein Espresso – bei mir ein doppelter – der, nach der Zubereitung, noch mit heißem Wasser aufgegossen wird. Wer mehr wissen möchte: Wikipedia macht schlau! []
  2. Im Büro fehlen mir Zeit und Geduld zum Handfiltern []
  3. Doppelschmatz! []