Jazz kann der auch?

Früher war hier mehr Musik!

Irgendwie ist mir das Schreiben über von mir gern gehörte Musik etwas abhanden gekommen. Liegt aber wahrscheinlich daran, dass ich in den letzten zwei Jahren erheblich weniger CDs gekauft habe. Spotifiy hat halt auch Auswirkungen auf so alte Säcke wie mich, obwohl ich, wie bereits mehrmals erwähnt, schöne Töne gerne immer noch auf stofflichen Tonträgern kaufe.

Aber da ist ja noch die Gefährtin und diese hat mich wenigstens zum Jahresende, genauer zu Weihnachten, mit einem Silberling versorgt, der für mich direkt noch zum Jazz-Highlight des vergangenen Jahres wurde.

Und nachdem dann indirekt durch dieses Weihnachtsgeschenk auch noch eine weitere musikalische Entdeckung aus dem eher rockigen Milieu folgte, habe ich beschlossen auch mal wieder über Töne und Klänge zu schrieben, die mich begeistern.

Ein paar “Ohrenschmaus mit Patina” befinden sich auch schon seit Ewigkeiten im Entwurfsordner und somit geht’s ab jetzt hier auch mal wieder um Musik. Und als erstes somit eine Jazz-Empfehlung.

Jeff Goldblum & The Mildred Snitzer Orchestra: The Capitol Studios Sessions

Jeff Goldblum ist nicht nur ein sehr guter Schauspieler, sondern auch ein richtig guter Jazz-Pianist und jetzt hat er auf seine alten Tage doch direkt noch ein Jazz-Album veröffentlicht.

CD Cover

Man sollte aber nicht den Fehler machen und glauben, Jeff Goldblum wäre so ein “Hobbypianist”, der auf seine alten Schauspielertage noch einen auf Musiker machen möchte und seine Prominenz für ein Jazzalbum nutzt.

Im Gegenteil: Mr. Goldblum spielt seit den 1990ern mit seiner langjährigen Band “The Mildred Snitzer Orchestra” regelmäßig in Los Angeles und gelegentlich auch in New York. Und wenn er nicht gerade die Welt vor Außerirdischen rettet oder irgendwo anders mit Filmarbeiten beschäftigt ist, präsentiert er im Rockwell Table & Stage in Los Angeles jede Woche eine kurzweilige Jazz-Varieté-Show, die bei einheimischen Jazzfans und Hollywoods Prominenz wohl ziemlich populär zu sein scheint.

Und jetzt hat er also sein erstes Album veröffentlicht und die beste Gefährtin von allen hat mir selbiges zu Weihnachten geschenkt. Und ich bin sehr, sehr angetan von dem was Herr Goldblum und seine Freund sowie einige Gäste, wie der deutsche Ausnahme-Trompeter Til Brönner, die Songwriterin Haley Reinhart, die Sängerin Imelda May und sogar die Komikerin Sara Silveman in den “Capitol Studio Sessions” zusammen gespielt haben. Jeff Goldblum funktionierte die Capitol Studios in Los Angeles in einen Jazz-Club um, der dem Rockwell ähnelt. und lud Rockwell-Stammgäste, Freunde und Familienmitglieder zu den Sessions ein, damit auch das Live-Feeling nicht zu kurz kommt – auch das ist sehr gelungen.

Das Album ist allerdings kein Meilenstein des Jazz, sondern eher eine Sammlung schöner bekannter Jazz-und Blues-Standards, die Goldblum und seine Mitspieler in allerschönster Club-Atmosphäre präsentieren. Die “Capitol Studio Sessions” ist eine zurückhaltende Hommage an die goldenen Zeiten des Jazz und in den Ansagen lässt Her Goldblum darüber hinaus den lässigen Dandy der 50er Jahre heraushängen – Dean Martin lässt grüßen.

Mr. Goldblum steigt mit Herbie Hancocks Klassiker “Cantaloupe Island” in den Abend ein und erzeugt anschließend mit “Don’t Mess With Mister T” (feat. Till Brönner) und “My Baby Just Cares For Me” (feat. Haley Reinhart) eine angenehme und entspannte Club- Atmosphäre, die bis zum Ende der Platte anhält. Man sehnt sich spätestens bei seinem Intermezzo mit der Komikerin Sarah Silverman nach einer (symbolischen!) Zigarette und einem (realen!) Glas Bourbon. Einer meiner persönlicher Höhepunkt ist dann “Come On-A-My House” von Imelda May mit der passenden dezenten Erotik interpretiert.

Was ebenfalls angenehm ist: Jeff Goldblum hält sich mit seinem Klavierspiel dezent zurück und lässt somit seiner Band und den Gästen den nötigen Freiraum für stimmige Interpretationen. Mr. Goldblum zeigt, dass er es kann, ohne sich groß in den Vordergrund zu spielen!

Wer Jazz Standards der Cool-, Bepop- und Hardbop-Ära sowie Modalen Jazz (also die 1950er und 1960er Jahre) mag, der ist mit diesem Album jedenfalls sehr gut bedient. Bei mir laufen die Capitol Studio Sessions seit Weihnachten in Heavy-Rotation und bekommen deshalb auch eine brutal subjektive Bewertung von 5 von 5 Sternen.

Ich wollte hier eigentlich ein Youtube-Video einbinden, aber seit kurzem funktioniert das nicht mehr (ideas anyone*?). Deshalb ein Link zu YouTube: Cantaloupe Island.

(*) Das Video lässt sich einbetten und kann im Entwurf/Draft auch abgespielt werde, aber sobald ich den Entwurf veröffentliche, heißt es im Player das Video sei nicht verfügbar? Alle alten YouTube Einbettungen funktionieren. Ich bin verwirrt und Google gibt bis jetzt nichts her? :-(

One thought on “Jazz kann der auch?

  • 23. Januar 2019 at 23:06
    Permalink

    Anscheinend mag dein persönliches Christkind dich sehr,die Playlist ist schon fein und mein Gott, The Band, gefühlt und wahr nearly 40 Jahre nicht mehr gehört

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