Kompensation.

Wer mich kennt (ob digital oder analog), weiß schon nach kurzer Zeit, dass ich die Klimakatastrophe für die größte Bedrohung halte, der wir uns aktuell gegenüber sehen. Und als bekennender linksgrünversiffter Gutmensch habe ich durchaus auch noch ein paar andere Sachen auf der Liste, die in unseren wohlstandsverwahrlosten westlichen Gesellschaften schief laufen: Faschismus, ein ungezügelter Kapitalismus, religiöse Fundamentalisten aller Orts, Querdenker in Pandemien und so weiter und so fort….

Aber das ist letztendlich alles pillepalle, wenn wir die Klimakrise nicht in den Griff bekommen…

Verzweifelter Eisbär auf kleiner Eisscholle

Ich versuche deshalb schon seit vielen Jahren meinen kleinen Beitrag zur Bewältigung der Krise beizutragen (Ich weiß, das halten viele für sinnlos, solange Politik und Wirtschaft nicht handeln, aber dazu am Schluss dann noch eine kleine Anmerkung):

  • Ich lasse mein Auto so oft wie es nur geht stehen und benutze alternative Verkehrsmittel, bin allerdings beruflich gezwungen doch den einen oder anderen Kilometer mit dem Auto zu fahren. (Ich halte mich außerdem penibel an jede Geschwindigkeitsbegrenzung und fahre auf der Autobahn nicht schneller als 130 – so ist es mir wenigstens gelungen, den Durchschnittsverbrauch meines Benziners auf unter 6l/100km zu drücken.)
  • Ich ernähre mich größtenteils zu 90% vegetarisch und arbeite an den restlichen 10%. Es ist allerdings nicht ganz einfach vegetarisch zu leben, wenn man in einem Landstrich lebt, in dem in Restaurants vegetarische Alternativen meist aus Semmelknödeln in Pilzrahmsoße, einem einfallslosen Nudelgericht oder dem Klassiker Käsespätzle bestehen – und glaubt mir eins, Käsespätzle können die Franken echt nicht! ;-)
  • Ich kaufe, wann immer möglich, regionale Bio-Lebensmittel.
  • Ich kaufe, wann immer möglich, Bio-Klamotten, die fair produziert wurden.
  • Ich schränke meinen Konsum ein und versuche mich mit dem Konzept des Minimalismus zu beschäftigen.
  • Ich fliege ca. nur alle 5 Jahre in den Urlaub und auch dann nur, wenn die Sehnsucht nach Kreta oder einer anderen griechischen Insel zu groß wird. Und wenn ich in Rente bin, dann hört auch das auf, dann habe ich Zeit für lange Anreisen. ;-)
  • Ich habe mein Badezimmer zu 90% plastikfrei bekommen und kaufe im Unverpackt-Laden.
  • Ich habe bisher das Co2 meiner Urlaubsreisen kompensiert.

Und damit wären wir auch beim Anlass dieses Blogbeitrages. In lese seit über 5 Jahren schon das Blog Mehr als Grünzeug, das sich genau mit den Fragen beschäftigt, die ich auch mich so umtreiben, nur aus weiblicher Sicht und mit erheblich mehr Know-how und Kompetenz.

Und vor ein paar Tagen hat sich Jenni nun auch mit dem Thema “Co2-Kompensation beschäftigt. Und zwar mit Team Climate. Und sie hat das so überzeugend getan, dass ich beschlossen habe, das Thema “Urlaubsreisen-Alibi-Kompensation” auf den Prüftstand zu stellen.

Team Climate ist ein Social Start-Up (aus Österreich), das einem helfen soll, seinen gesamt Co2-Fußabdruck des Jahres zu kompensieren. Das Geld wird dann in Projekte (genauer gesagt aktuell drei) gesteckt, welche die Welt erstens klimaneutraler und zweitens auch ein bisschen lebenswerter machen wollen: Waldschutz und Erhalt von Biodiversität in Peru, Zugang zu sauberem Trinkwasser in Bangladesh, Aufbau erneuerbarer (Wind-) Energie in Indien.

Man kann eine Pauschale kompensieren oder seinen eigenen Fußabdruck grob errechnen und diesen dann kompensieren. Und es gibt auch noch eine paar nette Gamifikation-Elemente, die den Spieltrieb in uns Netzusern befriedigen sollen.

Jenni hat sich mit TeamClimate sehr gründlich auseinander gesetzt, deswegen muss ich das jetzt hier glücklicherweise nicht mehr tun… ;-)

Und nachdem Ralph Ruthe heute auf Twitter gefragt hat, ob jemand weiß, wie es um die Seriösität von TeamClimate bestellt sei, habe ich ihm den Link auf Jennis Artikel geschickt und mir dann gedacht, ich könnte dann doch jetzt endlich auch meinen jährlich Ablaß leisten.

Und das hab ich dann gemacht und jetzt kompensiere ich halt auch ein bisschen. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die errechneten Preise wirklich richtig realistisch sind (ich find’s eher niedrig), aber ansonsten wirkt das auf mich auch alles überzeugend.

Unter Herrn Ruthes Tweet waren dann natürlich sofort die üblichen Nörgler zu finden, die das ganz doof finden, weil sich die Leute damit nur ein gutes Gewissen kaufen und das ja alles nix bringt und so weiter und so fort. Und ja, ich weiß, die Wirtschaft hat es auch beim Klima mal wieder geschafft, ihre Verantwortung dem Verbraucher zuzuschieben (der Co2 Fußabdruck ist ein PR-Coup der Mineralölindustrie, um die Verantwortung für den menschengemachten Klimawandel auf den Konsumenten abzuwälzen).

Aber – und das ist die oben angekündigte Anmerkung zum Schluss – es nutzt ja nix darauf zu warten, dass Politik und Wirtschaft endlich den Arsch hoch bekommen, denn bei beiden Gruppen sind die Beharrungskräfte einfach zu groß. Ich bin der Ansicht, man muss beides machen: Druck ausüben aber auch mit gutem Vorbild voran gehen. Deswegen kompensiere ich seit heute und werde trotzdem versuchen, meinen persönlichen Co2-Ausstoß weiter zu minimieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.