Ich hab da was gelesen…

Eigentlich könnte mir die Klimakrise ja völlig egal sein. Ich gehöre altersmäßig zwar zur Umweltsau-Generation, werde aber die Folgen meines Handels wohl nicht mehr so richtig erleben. Der Gefährtin und mir war es leider auch nicht vergönnt, Nachwuchs in die Welt zu setzen, so dass wir uns eigentlich mit einer Nach-mir-die-Sinflut-Einstellung in den nächsten Flieger verkrümeln könnten, um eine schöne Fernreise mit einem gigantischen CO2-Fußabdruck anzutreten. Zum Elefanten-Grillkurs nach Südafrika oder so was….

Jetzt habe ich aber diesbezüglich ein Problem: Ich wurde von meinen Eltern sowohl in christlicher als auch sozialdemokratischer Tradition erzogen und habe mich dann im Laufe meines bisherigen Lebens zu einem linksgrünversifften Gutmenschen entwickelt. Und das Dasein als ein solcher ist halt ein bischen komplizierter als das der ganzen Schnuller-Nazis und sonstigen egoistischen (oder einfach nur sehr, sehr, sehr dummen) Klimawandelleugner, die uns aktuell die nötigen schnellen Lösungen des Problems so schwer machen. Als Linksgrünversiffter schaut man halt ein bisschen über das eigene Ego hinaus. Man hat ein soziales Bewusstsein für die Probleme anderer Menschen entwickelt und fühlt sich verantwortlich für die Folgen des eigenen Handelns.

Darüner hinaus wurde ich durch meinen Bruder und Schwägerin mit einer reizenden Nichte und einem lieben Neffen beschenkt, und deren Zukunft ist mir nun mal sowas von überhaupt nicht egal.

Langer Rede – kurzer Sinn: Ich halte den Klimawandel für eine der größten Bedrohung, der sich die Menschheit bisher stellen musste, aber wenn wir nicht bald unser Verhalten ändern, wird es dann wohl größtenteils gewesen sein. Also das mit dem Menschen als Krone der Schöpfung.

Und wer bisher nicht dieser Ansicht ist, aber noch kein braunverschmutztes, egoistische Brett vorm Kopf herumträgt, dem lege ich jetzt folgende Lektüre als Lesebefehl sehr intenisv ans Herz:

Harald Lesch / Klaus Kamphausen
“DIE MENSCHHEIT SCHAFFT SICH AB.
Die Erde im Griff des Anthropozähn.”

Buch Die Menschheit schafft sich ab

Harald Lesch ist bereits seit jenen Tagen, als er uns nachts im Bayerischen Fernsehen das Universum erklärte, mein Lieblingsastrophysiker. Über die Jahre hinweg hat er sich meiner unmaßgeblichen Meinung nach zum bedeutendsten Populärwissenschaftler und Welterklärer entwickelt, den dieses Land aktuell vorzuweisen hat.

Deswegen hatte ich auch kein Problem, ein Buch von ihm zu kaufen, das sich mit der Klimakrise beschäftigt. Harald Lesch ist aus den Tiefen des Weltalls zurückgekehrt und versucht uns, zusammen mit dem Dokumentarfilmer und Autor Klaus Kamphausen, sehr eindringlich davor zu warnen, dass wir in bisher nie gekannter Hybris an dem Ast sägen auf dem wir sitzen. Und wie es sich für einen Professor gehört, macht er das sehr gründlich.

Das Buch beginnt dann auch gleich mal mit dem Urknall und führt uns über die Entwicklung des Universums, der Elemente und der Erde letztendlich zur Menschheit. Alles sehr interessant bzw. fesselnd und lehrreich geschrieben. So ab Seite 150 habe ich mich zwar dann langsam gefragt, wann Herr Lesch letzendlich zu des Pudels Kern bzw. zum Thema kommt, aber wenn er dann nach Menschwerdung, der Entwicklung des Logos, der Entwicklung der modernen Wissenschaft, Atomphysik und Globalisierung ab Seite 229 wirklich zur Sache kommt, wünscht man sich sehr schnell, er hätte das mit der Menscheitsgeschichte noch etwas ausführlicher dargestellt.

Denn dann wird es richtig düster und dem Leser schonungslos vor Augen geführt, wie sehr der Karren bereits im Dreck steckt und was uns an Konsuequenzen erwartet, wenn wir nicht augenblicklich global unser Verhalten ändern. Dieser zweite Teil ist dann nicht mehr ganz so flüssig zu lesen, denn hier werden Fakten, Fakten und nochmals Fakten präsentiert. Für Analyse und Beschreibung der notwendigen Maßnahmen sichert sich Herr Lesch außerdem noch die Unterstützung zahlreicher Gastautoren und Interviewpartner. Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender der EKD), Eberhard Brandes (WWF), Dr. Anton Hofreiter (Die Grünen), Prof. Dr. Mojib Latif (Geomar Hemholtz-Zentrum für Ozeanforschung), Prof. Dr. Ernst Ulrich Michael Freiherr von Weizsäcker (Club of Rome), um nur eine kleine Auswahl zu nennen.

Wer nach der Lektüre dieses Buches nicht zu dem Schluss kommt, dass es bereits fünf nach Zwölf ist und höchste Zeit zum Handeln, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. Und wer bisher glaubte, wir könnten so weiter machen wie bisher und nur ein paar Benziner und Diesel gegen Elektroautos austauschen, wird ebenfalls eines Besseren belehrt. “Die Menschheit schafft sich ab” beweist eines klar: Wir werden unsere Lebensweise, unsere Art zu wirtschaften und die Weise wie wir die knappen Ressourcen nutzen, grundlegend ändern müssen. Und wenn wir das nicht hinbekommen, wird der Klimawandel dafür sorgen, dass die Evolution den nächsten Versuch dann ohne uns startet. Vielleicht sind die Insekten dann dran und erweisen sich als klüger als wir….

Treffen sich zwei Planeten.
Der Eine: "Oh, du siehst aber schlecht aus."
Der Andere: "Ich habe Menschen!"
Der Eine: "Das geht vorbei."

Lesebefehl!

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