Gleichzeitig bewegt und genervt.

Gleichzeitig bewegt und genervt.

Da ich seit kurzem für eine in München ansässige Firma arbeite und ich mich gestern gerade auf der Westumgehung in einem kleinen Stau aufgehalten habe, als die Ereignisse im OEZ ihren furchtbaren Lauf nahmen, hat mich die Schießerei in der Landeshauptstadt ziemlich bewegt und aufgeregt.

Als mir dann auf dem Weg nach Nürnberg auch noch Mannschaftstransporter der Polizei mit wild blinkenden Lichtern, lautem “Lälülala” in einem Affentempo entgegen kamen und in Richtung München rasten – da wurde mir so richtig mulmig. Aber sowas von mulmig.

Was ich dann aber im Autoradio (im Auto fällt Twitter als Informationsquelle aus, das ist mir dann doch zu heikel…) und vor allem zuhause im TV an journalistischer Hysterie und Panikmache erleben musste, das hat mich dann schon wieder richtig wütend gemacht.

Ich war innerhalb von Minuten genervt. Von wüstem Spekulieren, hilflosem Rätselraten und dem hektischen Verbreiten von Nichtinformation. Glück für den Bayerischen Rundfunk, dass Mitarbeiter Richard Gutjahr zufällig gerade auf dem Mittleren Ring in der Nähe im Berufsverkehr fest steckte und und gleich Richtung OEZ abgebogen ist. So kam wenigstens ein Hauch Information vor Ort über den Äther. Wobei mir Richard Gutjahr schon direkt leid tut, da er ja auch in Nizza schon vor Ort war…. Gleich zweimal hintereinander, das stresst bestimmt und geht auf’s Gemüt.

Das hilflos wirkende, mehrmalige Abspielen eines unverständlichen Handy-Videos in den Tagesthemen war dagegen mehr als nur peinlich. Angesichts dieses Momentes öffentlich-rechtlicher Hilflosigkeit stellte sich mir mal wieder die Frage, ob wir uns den unabhängigen Staatsfunk wirklich noch leisten müssen und ob sich der noch lohnt. Dass sich weder Moderator noch der “Terror-Experte” veranlasst fühlten, irgendwann kurz zu erwähnen, aus welcher Quelle man dieses Video eigentlich hat – Geschenkt! Da erwartet man heutzutage von seriösen Qualitätsjournalisten nicht mehr oder ich habe vielleicht in meiner medialen Erschütterung den üblichen Hinweis “Quelle Internet” auch nur übersehen? Egal!

Und über die Berichterstattung  und Live-Tickern der Online-Portale unserer so wichtigen Print-Qualitätsjournaille sage ich jetzt mal lieber gar nix. Ach ich hör’ am besten auf mich aufzuregen. Führt ja doch zu nix!

Habe ich gestern übrigens dann auch gemacht. Glotze aus! Twitter aus! Im Geiste dann noch einen Gruß an die Münchner Kollegen geschickt, mit der Hoffnung, dass es allen gut geht und sie nicht zu viel Umgemach ausstehen mussten! Wovon ich jetzt ganz optimistisch einmal ausgehe!

Vielleicht rege ich mich über die Berichterstattung gestern Abend auch nur deshalb so auf, weil ich mich betroffener gefühlt habe, als bei Paris oder jetzt Nizza. Aber irgendwie hatte ich gestern Abend phasenweise ein bisschen das Gefühl, dass in vielen Redaktionen so ein leichtes Gefühl von “Hurra, endlich auch Terror bei uns!” vorherrschte. Kann ich mich aber auch täuschen. Wenn man GENERVT ist, versteht man ja manchmal auch so einiges miss…

 

Wetter! Wetter! Wetter!

Ich klicke morgens nach dem Aufstehen als erstes immer die Glotze mit dem Morgenmagazin der Öffentlich-Rechtlichen an.

Das mache ich jetzt bestimmt seit über 15 Jahren so. Das hat den einfachen Grund, dass ich die morgendlichen “Formate” der Radiosender nicht ertrage und mir um 6 Uhr die “Guten Morgen, wir sind ja alle sooo gut drauf und jetzt kommt ein Hit aus den 80ern, 90ern oder sonstwoher” Moderatoren Brechreiz verursachen.

Brechreiz aber ist etwas, auf das ich direkt nach dem Aufstehen ohne Probleme verzichten kann und das seit meinem 30 Lebensjahr nicht einmal mehr am Neujahrsmorgen vorkommt. Deshalb lieber fast-seriöses, öffentlich-rechtliches Programm als Hintergrundbeschallung, während ich Tee koche, auf dem Balkon eine rauchen gehe und mich dabei auf Twitter durch Nacht- und Morgentweets wühle.

Heute morgen habe ich aber nach einer Stunde Morgenmagazin ernsthaft damit geliebäugelt, den Fernseher auszumachen und das Radio mit “Antenne irgendwas” einzuschalten. Der heutige Programmablauf lässt sich nämlich folgendermaßen zusammen fassen:

Xaver! Xaver! Müssen wir jetzt alle sterben? Hoppla, Nelson Mandela ist ja schon gestorben! Xaver! Irgendwas mit Sport! Nachrichten mit Xaver, Springflut-Bildern oder was Reporter dafür halten und Nelson Mandela! Wetterbericht live aus irgendeinem Sturmtiefzentrum! Und weiter geht es mit Xaver! Orkan! Springflut! Xaver! Hurra wir leben noch aber Nelson Mandela ist leider tot! Live Reportage aus irgendeinem Sturmtiefzentrum! Live-Reportage von einem bedauerlicherweise nicht gebrochenen Deich! Und weiter geht es mit mit Xaver!

Wenn es nicht so makaber wäre, hätte man über Nelson Mandelas Tod eigentlich glücklich sein müssen. Das ersparte einem nämlich mindestens eine weitere Live-Schaltung, in welcher ein Reporter irgendwo in Norddeutschland am Meer steht und in Regen und Kälte zum fünften Mal mitteilen muss, dass es eigentlich gar nicht so schlimm gekommen aber trotzdem irgendwie doch schlimm ist mit diesem Orkan. Ihr wisst schon, das 5 Minuten “Wichtig-Gefasel” von Journalisten, die nur wissen, dass sie nichts wissen, weil eigentlich nichts Dramatisches passiert ist.

Na gut, ich sitze bequem in Süddeutschland und rede mir leicht. Bei uns war der Sturm nur ein bisschen heftiges Wehen mit 2 Millimeter Neuschnee. Halt! Es ist doch was passiert! BREAKING NEWS: Die Europalette neben meinem Carport ist umgefallen!

Ich habe mich dann schnell in die Nasszelle verzogen und das Frauchen bei ihrer Morgengymnastik mit den aktuellen Orkan-Berichterstattungen alleine gelassen.

Da ich heute Mittag einen Termin im “Draußen” hatte, habe ich dann noch das gemacht, was ich im Winter immer mache: Ich habe mich warm angezogen. Das reicht nämlich in Süddeutschland völlig aus, um diese brutalen, grimmigen und mörderischen Winter ohne große Blessuren zu überstehen.

Online-Medien hab ich mir heute geschenkt! Klickstrecken mit verwackelten Sturmbildern hätten mir wahrscheinlich den Rest gegeben. Und wie ich gerade eben beim Kietzneurotiker lesen konnte, war das wohl eine weise Entscheidung.

Weil ich jetzt beim Schreiben irgendwie vergessen habe, worauf ich eigentlich hinaus wollte, abschließend nur eine kurze Frage: Wann hat das mit dieser Wetterhysterie eigentlich angefangen? Seit wann ist Wetter so ein unglaubliches Ereignis? Ich kann mich nämlich noch dumpf an Zeiten erinnern, in denen man das Wetter der jeweiligen Jahreszeiten als etwas gegebenes und völlig normales wahrgenommen hat und Wetterberichte sich auf 45 Minuten Sekunden am Ende der Tagesschau beschränkten. Und wenn über schlimmes Wetter berichtet wurde, dann war das wirklich schlimmes Wetter! Aber irgendwas ist seitdem passiert. Nur was?

Warum ich das blogge? Weil mich dieser Medien-Bohei nervt! Und ich an die Fabel von dem Jungen der immer Wolf schrie denken muss. Was machen die eigentlich, wenn es mal richtig schlimm wird? Und ich habe Angst, dass die Prognosen der Klimaforscher eintreffen und wir uns dann auf 24/7 -Berichterstattungen übers Wetter einstellen müssen.

 

Ich muss mich mal kurz aufregen…

Bananenrepublik… und zwar über das Mediengedöns zur Basisabstimmung der SPD zum Koalitionsvertrag.

Grundsätzlich halte ich das Theater, das die SPD-Führung gerade mit und für ihre Basis aufführt, für eine schlecht gespielte Tragik-Komödie oder sogar eine tragische Groteske! Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die SPD-Altvordereren, angefangen bei Wilhelm Liebknecht, Friedrich Ebert über Kurt Schumacher bis hin zu Willy Brandt, vereint auf einer Wolke sitzen  und eimerweise heiße Tränen der Enttäuschung, Verbitterung und des Fremdschämens über ihre “Enkel” vergießen.

Aber die Säue, die da inzwischen bezüglich dieser Basisabstimmung durch die Medienlandschaft getrieben werden, nehmen langsam eine ähnlich groteske Gestalt an: Da wird das Land in der Hand der Genossen gesehen, Staatsrechtler sprechen dem Entscheid die vefassungsrechtliche Legitimität ab und Sigmar Gabriel muss sich mit Frau Slomka rumstreiten.

Also mal ganz ehrlich, dass ist doch wirklich Quatsch! Ich bin jetzt kein Verfassungsrechtler, aber ich halte die Argumentation, der Mitgliederentscheid sei verfassungsrechtlich bedenklich, ebenfalls für eine österreichische/bayerische Mehlspeise1! (OMG! Ich bin einer Meinung mit Gabriel!)

Wieso gegen die Verfassung?
Liebe Kritiker und Staatsrechtler, verratet mir mal: Wann in der Geschichte der Bundesrepublik hätten denn die Abgeordneten des Bundestages jemals (direkt) über einen Koalitionsvertrag abgestimmt? Bisher wurde doch wohl jeder Koalitionsvertrag von irgendwelchen Parteigremien der Koalitionäre verabschiedet, oder? Warum sollten aber ein Parteivorstand oder ein Parteitag  legitimierter zu einem Votum sein,  als die rund 470.000 Mitglieder einer Partei? Deshalb möge mir man mir bitte genau erklären: Warum ist es für die Gewissensfreiheit des Abgeordneten unbedenklich, wenn ein Parteitag über den Koalitionsvertrag abstimmt und bedenklich, wenn das die Parteimitglieder tun? Und inwieweit zwingt das Basisvotum den Abgeordneten, seine Gewissensfreiheit aufzugeben, ein faktischer Fraktionszwang und das übliche Hinterzimmergeklüngel aber nicht?
Liebe Medien und Verfassungsrechtler, lasst bitte mal die Kirche im Dorf.

Aber mit Basisdemokratie hat man es ja nicht so in dieser unserer Republik, selbst wenn sie nur ein Feigenblättchen für die SPD-Parteispitze darstellt. Immerhin wollen Garbriel, Nahles & Co. damit doch nur vergessen machen, dass sie trotz des zweitschlechtesten Wahlergebnisses in der Nachkriegsgeschichte keine Konsequenzen, personelle Änderungen oder gar eine strategische Neuausrichtung in Angriff genommen haben, sondern nur einen Kurs des “Weiter so” fahren. Und dass die Ministerposten erst nach dem Entscheid bekannt gegeben werden sollen, spricht doch wohl Bände…! Dieser Mitgliederentscheid in der SPD über den Koalitionsvertrag mag ein taktisches Spielchen und anrüchig sein, aber verfassungswidrig? Ich bitte Euch! 

Angst vor einem überraschendem Ergebnis muss man außerdem wirklich nicht haben. SPD-Mitglieder sind es gewohnt, ihre innersten Überzeugungen zähneknirschend hinten an zu stellen, wenn die Pflicht für die Partei es so fordert. Ich kenne das, ich war vor langer Zeit selber mal SPD-Mitglied… ;o)

 
  1. Schmarrn! []
 

Blogempfehlung

Ich möchte an dieser Stelle mal ein Blog empfehlen, weil ich dieses seit Monaten mit wachsender Fassungslosigkeit lese:

In TOPFVOLLGOLD beschäftigen sich zwei Herren mit der Regenbogenpresse in diesem unserem Lande. Und sie tun das ausführlich und mit Todesverachtung. Wenn ich mir meine körperlichen Schmerzen beim Lesen der Beiträge in Erinnerung rufe, möchte möchte ich nicht wissen, was die Autoren beim Schreiben durchmachen müssen. Sie sind meines Erachtens noch todesmutiger als die Macher vom Bildblog.

Darüber hinaus frage ich mich täglich,was das wohl für Menschen sind, die Geld für Regenbogenpresseerzeugnisse ausgeben, um den darin zusammengelogenen Käse dann auch noch zu lesen?1

Deswegen meine Empfehlung:

Oh Ihr Abgebrühten und Tapferen, wenn ihr meint, dass es euch vor nichts mehr graut und euch nichts mehr überraschen kann:

Packt euch TOPFVOLLGOLD in den Reader!2

 
  1. Und dass mir jetzt niemand mit “Ich lese doch nur den Sportteil” kommt… ;o) []
  2. Mir fällt gerade auf, dass das eigentlich eine nette Blogempfehlung für Halloween ist. ;o) []